Erfolg ist alles?

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Einige haben schon mitbekommen, dass wieder Veränderungen anstehen. Hoffentlich jetzt zum letzten Mal dieses Jahr ;-). Aber:

Nur Änderungen bringen einen weiter.

Die Änderungen kommen, weil ich einige Zeit hatte, mal über das Leben leben nachzudenken. Mein Motto bisher war:

Wenn du keinen Erfolg hast, hast du zu wenig investiert.

Die Frage ist aber, was bin ich überhaupt bereit, zu investieren? In der Schule, im Abi wird einem vermittelt, dass die ganze Zeit durchgeknechtet werden muss und man immer zu den Besten gehören soll. Für meinen ersten Berufswunsch habe ich geprüft, was ich alles vorweisen soll. Mal abgesehen, dass wir im Abi (wenn man es ernst genommen hat) keine Freizeit hatten, denn wir haben auch am Wochenende und über die Ferien etliche Aufgaben aufbekommen, sollte ich tatsächlich noch mind. 3 Praktika je mind. 2 Wochen vorweisen können, um für die Firmen interessant zu sein. (Mein Abiturschnitt sollte zusätzlich bei 1,4 liegen) Also meine Wochenenden und meine Ferien sind mit Abiaufgaben verplant und zusätzlich soll ich noch Praktika leisten, damit ich überhaupt irgendwelche Chance auf ein Praktikum im Studium habe?
Ich bin ehrgeizig, perfektionistisch und erwarte von mir, zu den Besten zu gehören. Was hab ich also versucht? Ja, ich hab ein Praktikum gemacht. Zwar nur eine Woche. Aber ich hab wenigstens ein Praktikum in der 11. gemacht. Das hat mich aber im Lernplan und der Arbeitsbewältigung beim Abi zurückgeschmissen und war so überhaupt nicht gewinnbringend (durch die Kollegen hat es aber Spaß gemacht 😉 ). Davon sollte ich jetzt noch weitere machen und diese auch noch in der 12.?
Unser 12. Schuljahr war sogar noch extra kurz. Aber nicht jammern, sondern reinhängen und ein gutes Abi schaffen. Ich hab auf meine Gesundheit gepfiffen, habe meine Belastungsgrenze überschritten und war auch manchmal innerlich am Ausrasten. Denn mir kann meinetwegen jeder erzählen, dass Noten objektiv vergeben werden. Aber so ist das nicht. Es gibt genügend Fächer, die eher auf die Subjektivität fußen, in denen der Lehrer dich mögen muss oder du seine Meinung vertreten musst. Somit kann man noch so viel lernen. Ist man mit dem Lehrer nicht wenigstens auf einer Linie, bleiben die ganz guten Noten aus. Ok, ich will nicht weiter über unser Schulsystem schreiben. Es ist nun mal das System, das in Deutschland ausgeübt wird. Das wichtigste an meinem Exkurs in meine Abijahre ist (sehr schön beim Tatort vom 22.01.17 aufgenommen), was die Gesellschaft uns verklickert:

Wer nicht seine ganze Zeit in seine berufliche Zukunft steckt, bleibt auf der Strecke.

Somit wurde meine Persönlichkeit weiter in eine Richtung gepuscht, die ich niemanden empfehlen würde.
Es ist nun mal so, dass immer mehr Leistung gebracht werden soll und die, die eine Prüfung nicht überstehen, als Verlierer der Gesellschaft dargestellt werden. Warum werden bei Ausbildungsberufen größtenteils keine Hauptschulabschlüsse mehr gewollt? Teilweise werden sogar nur noch Abiturienten gesucht. Für die Wirtschaft sind wir langsam auch nur noch Firmenkapital. Rechner und Programme entscheiden, wer angestellt wird, wer Kredite bekommt und noch vieles mehr in unserem Leben. Diese sehen nicht die Persönlichkeiten in uns. Firmen suchen nach Leuten, die im Team arbeiten können, aber gleichzeitig auch selbstständig sind. Sie suchen Leute, die technisches, soziales und kaufmännisches Verständnis haben. Das sollten die Arbeitnehmer am besten schon alles vor der Einstellung können. Manche Stellenausschreibungen hören sich an, als hätten sie lieber einen Computer oder Roboter, den sie nach ihren Vorstellungen programmieren können.
Der Mensch bleibt immer mehr auf der Strecke. Natürlich braucht man Arbeit. Arbeit gibt dem Leben einen Sinn. Es braucht Geld zum Leben. Aber:

Ist Arbeit das Leben?

Auf Instagram, Facebook und vielen weiteren sozialen Medien sehe ich neuerdings immer wieder diese Accounts, die für den Erfolg werben: „So gestaltest Du DEINEN Erfolg!“ „Dein Leben wird auf meine Weise erfolgreich.“ „Dein Business jetzt zum Gewinn führen…“ Genau auf diesen Medien wird auch das Leben der (millionenschweren) Reichen gehuldigt, bewundert und nachgeeifert, obwohl es sich wohl die wenigsten leisten können. Ich finde es auch interessant, mal zu sehen, wie andere ihren Tag verbringen (Snapchat), wie sie was machen (Youtube) und schöne Fotos zu bewundern (Instagram). Genauso gern bin ich selber produktiv, mache und bearbeite Fotos oder schreibe Geschichten. Aber soll ich die knappe Freizeit auch noch komplett dafür verbringen? Es gibt doch noch normale soziale Kontakte, Familie und die Liebe.

Tiere leben im Jetzt. Menschen leben entweder in der Vergangenheit oder Zukunft. Die Gegenwart entgeht ihnen meist vollkommen.

Die Frage ist, was passiert in der Gegenwart… In der Gegenwart geschieht das ganze Leben, die wichtigen Dinge. Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern, die Zukunft wird erst noch kommen. Die Gegenwart fliegt nur so an dir vorbei und ist das wirkliche Leben.
Ich möchte nicht sagen, dass Vergangenheit und Zukunft nicht wichtig sind. In der Vergangenheit hast du erlebt. In der Zukunft wirst du erleben. Aber in der Gegenwart entscheidest du, welcher Mensch du durch die vergangenen Zeiten geworden bist und die Zukunft wird die neue Gegenwart.

In dem Hier und Jetzt bestimmst du durch deine Gedanken, Worte und Handlungen, was für eine Person du bist.

Ich verstehe immer mehr die ganzen Aussteiger. Ich will nicht für immer aussteigen. Aber ich steige jeden Sonntag aus. Jeden Sonntag darf ich gar nichts mehr machen, was einem Ziel oder der Produktivität dient. Einfach den Kopf mal in Frieden lassen und ihn schonen. Den Körper vom Stress befreien und ihm eine Verschnaufspause geben.

Sonntag ist Ruhetag.

Mein Erfolg soll nicht mehr wichtiger als meine Gesundheit, meine Liebe und meine Familie sein. Denn nicht der Erfolg, nicht die Arbeit ist mein Leben. Mein Leben besteht in meinen Lieben und meinem Wohlbefinden.
Das wird für mich, die eigentlich immer etwas macht, irgendwie produktiv sein muss oder etwas lernen will, schwer sein. Aber ich werde mich daran halten. Denn dadurch habe ich endlich mal wirklich Freizeit. Ich kann ausschlafen, muss mich um nichts Gedanken machen und hab Qualitytime mit meinen Lieben. Was gibt es besseres? Nichts, nicht mal Erfolg oder Geld/ Arbeit 😉 . Somit ist die wichtigste Frage, die auf den obersten fettgedruckten Satz folgen sollte:

Was bin ich bereit für den Erfolg zu investieren und zu verlieren?

Ich will mein Glück mit meinem Herzensmann und meinem Herzenshund nicht verlieren. Ich möchte mehr Zufriedenheit und Zeit in die Bindung mit den zwei besseren Dritteln, die mich schon fast mein ganzes Leben begleiten, bringen – meine Ma und meine Schwester. Ich möchte nicht noch einmal fast sterben, weil ich meinen Erfolg über die Warnungen meines Körpers gestellt habe. Dies möchte ich nicht riskieren und werde deshalb absofort anders leben. Somit sage ich schon mal für jeden Sonntag:

Tschüss, ich freu mich Montag dann wieder auf Euch 😉 .

Ich werde immer wieder über meine Sonntage schreiben. Denn so ein Ausstieg ist nicht leicht. Letzten Sonntag habe ich angefangen und obwohl ich Fieber hatte, kam ich teilweise nicht zur Ruhe und wollte immer wieder etwas machen. Paar Blogbeiträge werden mir helfen, mich daran zu halten. Trotzdem sollte ich immer bedenken:

Gut Ding brauch Weile.

Das war es mit meinem Exkurs in das Thema Erfolg und zum Ruhegönnen. Vielleicht ist so ein Ruhetag ja auch was für dich?
Toll, jetzt hab ich doch den ersten gesellschaftskritischen Beitrag auf diesem Blog geschrieben. Dabei wollte ich das doch eigentlich nie. Aber eigentlich muss ich gestehen:

Halt die Klappe und geh unter. Mach den Mund auf und gestalte dein Leben!

Erfolg Arbeit Stress Ruhe Sonntag Familie Glück Liebe Abitur Schreibtisch Arbeiten Änderung Rentier Hirsch Pflanzen Planer Organizer Maloutainment Kurse Lernen Weiterbildung Ehrgeiz Perfektionismus

[Fotografie; Planer; Sticker]
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